Dreams 2023

dieser Zeit auch die ersten Zitronenbäume auf Brač gepflanzt wurden – die Insel war immerhin lange Teil der venezianischen Republik. In Mittel- und Nordeuropa waren Zitronen und ihr göttliches Aroma lange nur den obersten Schichten vorbehalten. Adelige legten hier im Barock mit Leidenschaft »Orangerien« an, in denen die exotischen Köstlichkeiten gediehen. Die Orangerie in Schönbrunn etwa wurde 1754 gegründet und besteht bis heute. Breitere Bevölkerungsschichten kamen erst im späten 18. Jahrhundert in den Genuss von Zitronensaft, nachdem Wissenschaftler herausgefunden hatten, dass Zitrusfrüchte gegen Skorbut halfen, der gefürchtetsten aller Krankheiten auf den Segelschiffen der damals an Schiffen sehr reichen Welt. Bald wurde Zitrussaft zum fixen Bestandteil der Verpflegung der englischen Marine. Die Nachfrage schoss in nie da gewesene Höhen, der Zitrusanbau im Mittelmeerraum, vor allem auf Sizilien, erlebte einen gewaltigen Boom. Der Legende nach soll auch die sizilianische Mafia auf diese Jahre des Zitrus-Goldrauschs zurückgehen: Einheimische Großgrundbesitzer, die Wasser, Transportwege und Arbeiter kontrollierten, machten neu ankommenden Zitronenbauern Angebote, die sie nicht ablehnen konnten: Wer während des Zitrus-Goldrauschs seine Felder bewirtschaften oder bewässern wollte, musste an sie ihren Zehent abliefern. Bald kontrollierten sie auch die Häfen und den Verkauf. WINTERFRUCHT Zitronen reifen in Europa im Winter, im Jänner und Februar, wenn es auch ums Mittelmeer in der Nacht kühl wird. Auch wenn sie erstaunlich lang, bis in den Sommer hinein, am Baum hängen können, waren sie bis vor gar nicht so langer Zeit eine rein saisonale Spezialität. Heute sind sie aber das ganze Jahr über und für jeden erschwinglich in jedem Supermarkt erhältlich. Das ist natürlich viel besser, als gar keine Zitronen zu haben. Aber wer wirklich wissen will, wie gut sie sein können, kostet sie trotzdem am besten einmal im »HotelLemongarden« frisch vom Baum. 31 Erst im siebenten Jahrhundert dürfte die klassische Zitrone mit arabischen Eroberern in den Mittelmeerraum gekommen sein, spätesten im neunten Jahrhundert wurde sie im heutigen Sizilien und Spanien angepflanzt. Von hier verbreitete sie sich schließlich langsam auch in der christlichen Welt. In Bartolomeo Scappis einflussreichem Renaissance-Kochbuch »Opera dell’arte del cucinare« von 1570 tauchen Zitronen erstmals als Beilage für Fisch und Meeresfrüchte auf, ihr Aroma ist seither untrennbar mit Wassertieren verbunden. 1583, 13 Jahre später, erschien dann in Venedig erstmals Ibn Jamiyas Standardwerk aus dem neunten Jahrhundert, »Das Buch der Zitrone«, auf Latein. Gut möglich, dass zu Fotos: Andreas Husar, Getty Images, beigestellt < Excutive Chef Ante Udovičić Der Executive Chef ist nicht nur im passenden Outfit anzutreffen, sondern bringt die wunderbaren Früchte auch vielfältig und gekonnt in wunderbaren Gerichten auf die Teller.

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