Viele Hotels in Österreich haben eine lange Geschichte, doch kaum ein Haus ist auch so mit der Ideengeschichte des Landes verflochten wie der »Knappenhof«: »Wenn ich auf die Rax komme und übers Plateau gehe, ist dies die einzige Zeit in meinem Leben, in der ich immer wieder, ich möchte sagen, meditiert habe.« Lange, bevor man vom sanften Tourismus, vom »Entschleunigen und Runterkommen« sprach, fand hier bereits Viktor Frankl sein persönliches Refugium. Der weltberühmte Psychoanalytiker stieg bis ins hohe Alter gerne den Törlweg hinauf auf die Rax. Es war seine Möglichkeit, Klarheit und Ruhe zu finden: »Es gibt eigentlich keine größere, wesentliche Entscheidung in meinem Leben, beruflicher und privater Natur, die ich nicht dort getroffen hätte«. FLUCHT VOR DER MODERNE Vielleicht liegt es daran, dass der »Knappenhof« und Frankl Zeitgenossen waren. Nur drei Jahre trennen die Hoteleröffnung vom 1905 geborenen Begründer der Logotherapie. Und im Fin de Siècle war die RaxRegion der nächstgelegene Rückzugsort der Wiener Gesellschaft in die wildromantische Natur. Bis heute kann man so anreisen wie damals – ab dem Bahnhof Payerbach wird man zum Hotel gebracht. Auch wenn dieser Shuttle nicht mehr mit Schlitten passiert wie anno dazumal, ist es ruhig in der Region, die touristisch sanft an die Gründerzeit anschließt. Auch sie war eine überaus hektische und industriell geprägte Epoche. Mehr noch: Ersetzt man Kohle und Stahl durch Internet und Meetings, versteht man schnell, woher die neue Passion für diesen Landstrich kommt. Man mag ja gehört haben, dass Kaiser Karl und seine Zita hier die Sommer verbrachten und Sohn Otto von Habsburg in Reichenau zur Welt kam. Doch das Ensemble von Villa Wartholz und Schloss Rothschild selbst zu sehen, kommt einer Zeitreise gleich. Ähnlich wie es ein Besuch am unveränderten Riegelhof in Prein ist, wo Romancier Heimito von Doderer seine lebenslange Passion für »Pfitschipfeile« kultivierte. Imprägnierung mit Geschichte und Patina sind unbezahlbar, doch man will dreams / REGION RAX 102 Fotos: Semmeringbahn/Michael Liebert, Clemens Zahn / laif / picturedesk.com, Franz Hubmann, Gerhard Trumler / brandstaetter images / picturedesk.com RAX-KÖNIG NANNTE MAN CAMILLO KRONICH, DER DEN »KNAPPENHOF« ERRICHTEN LIESS, SKISCHULE UND BERGRETTUNG BEGRÜNDETE. Angekommen! Umweltschonend wird der »Knappenhof«-Gast am Bahnhof Payerbach abgehholt – und trifft dort auf Stefan Zweig und Arthur Schnitzler. Noble Residenz. Komfort regierte auch bei der Sommerfrische (hier Heinrich von Ferstels »Villa Wartholz«), in der man »fast unerträgliche Concentration«, so Franz Werfel, erlebte.
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