Dreams 2025

nachteil galt, ist heute längst ein Erholungsvorteil. Denn die Natur wurde – spätestens mit der Errichtung der Rax-Seilbahn 1926 – mustergültig erschlossen, aber nie verschandelt. »Es ist fast wie ein Wunder«, staunten damals die Gazetten: »Um halb acht Uhr früh setzt man sich in Wien in die Südbahn, und um halb zehn Uhr vormittags kann man bereits auf der Rax eine Portion Gulasch verzehren.« Bei der simplen Stärkung braucht man es knapp 100 Jahre später nicht belassen, denn Tomaž Fink sorgt im »Knappenhof« für elaborierte Küchenfreuden. Bei einem Mittagessen auf der sonnigen Terrasse lässt sich beim wunderbaren Fernblick die nächste Tour planen. GETEILTE NATURERLEBNISSE Das könnte etwa die ausgedehnte Runde – lokal auch als »Hüttenhüpfen« bekannt – sein. Diese Wanderung führt bis ins Steirische. Denn nur wenige Meter hinter der Landesgrenze erreicht man von Prein aus Man ist in Rekordzeit von der Hektik der Städte in der unverfälschten Natur des Rax-Schneeberg-Gebiets. Doch als Gast wenig Zeit mitzubringen, ist keine gute Idee. Zu viel gibt es zu entdecken, und manchen interessanten Ort – Kraftplätze oder literarische Inspiration – würde man schlicht verpassen. Wenn es hingen doch nur das »Best of« der Wiener Alpen sein soll, dann empfiehlt sich die klassische Wanderung vom »Knappenhof« zum »Ottohaus«. Sie war es, die ursprünglich auch die Rax auf die touristische Landkarte des »Fin de Siècle« setzte. Die Vergleiche mit den Schweizer Alpen waren angesichts steiler Felsnadeln und dem spektakulären »Thörl« aus Stein in den zeitgenössischen Reiseberichten des 19. Jahrhunderts an der Tagesordnung. Der »Thörlweg« fasziniert als Wanderziel der Region heute noch genauso. Die direkte Verbindung zwischen dem komfortablen Hotel und der Bergrast stellte einen Geniestreich des Tourismus-Pioniers Camillo Kronich dar. Im »Knappenhof« konnten die Familien auf die Rückkehr der wagemutigen Alpinisten warten – bei allem Komfort wohlgemerkt, den man aus den Stadtpalais der Gründerzeit gewohnt war. EIN »SELFIE-SPOT« AUS STEIN Drei Stunden dauert der Weg vom Knappenhof zum Ottohaus, viele der Wege verdanken ihre Existenz – wie die lokale Bergrettung – dem Vordenker Kronich. Von der Rax-Alm geht es entweder bequem mit der Seilbahn alias »Green Queen« oder per pedes ins Schwarzatal zurück. Erneut quert man so den natürlichen »Selfie-Spot« des »Thörls« – ein Felsdurchlass, der wie ein steinerner Bilderrahmen die Schönheit der Region erschauen lässt. Doch das war nicht immer so. Lange Zeit waren es nicht touristische Attraktionen, die Besucher in die Rax-Gegend zogen, sondern Holz, Wildwasser und der Tierreichtum. Denn bis zur Errichtung der SemmeringFotos: Gerhard Wild / picturedesk.com, Fabian Weiss / laif / picturedesk.com, Fotofritz / Alamy Stock Photo, Shutterstock 112 dreams / AUSFLÜGE IM RAXGEBIET – DAY TRIPS IN THE RAX REGION bahn galt der Talschluss als eine natürliche Sackgasse. Noch ehe die feine Gesellschaft im 19. Jahrhundert hier Erholung genießen konnte, wurde die Region von »allerhöchster« Stelle erschlossen. Kaiser Karl VI. liebte nicht nur die Jagdausflüge in den wildromantischen Schluchten, ihm wird auch die Entdeckung der Wasserquellen zugeschrieben, die bis heute die Stadt Wien versorgen. WILDWASSER UND GAUMENFREUDEN Bevor es die I. Hochquellenleitung gab, brachten sogenannte »Wasserreiter« dem Vater Maria Theresias exklusiv das begehrte Nass. »Kaiserbrunn« ist als Ortsname geblieben und die historische Stätte lässt sich vom »Knappenhof« in Reichenau aus erkunden. Doch der einfach zu begehende »Wasserleitungsweg« ist nur einer der Wege rund um das Hotel, das sich zu entdecken lohnt. Was einst als EntwicklungsWildromantisch. Der 1. Wiener Wasserleitungsweg führt von Kaiserbrunn nach Reichenau, entlang der Hochquellen- Wasserleitung.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYzODc=