im »Fin de siécle«. Spaziergänge, Kreativschübe und so manche Liebelei fanden ihren Eingang in die Literatur der »Jung-Wien«- Autoren. Viel wichtiger aber: Die Überspannung, in der ausgehenden Monarchie »Neurasthenie« genannt, wich in der Bergluft ganz von selbst. An die Stärkung von Körper und Seele schließt man im »Knappenhof« auch mit dem aktuellen Gästeprogramm an. Der renommierte Autor Arnold Mettnitzer, ehemaliger Priester und Psychotherapeut (»Mit dem Herzen atmen«) begleitet Wanderer durch die Rax-Region und stellt in der Schönheit der Natur Sinnfragen. Wie man achtsamer mit sich umgeht und dem Alter positive Aspekte abgewinnt, stellt wiederum das Thema dar, dem sich Professor Michael Musalek widmet. Die Redensart vom Kopf, den man freibekommen muss, gewinnt so an Qualität. EHEVERSPRECHEN OHNE RITUS Diesem spirituellen Zugang zum Thema Urlaub hat man am »Knappenhof« auch eine symbolische Heimat errichtet. Am 27. April weiht Kardinal Christoph Schönborn das Reichenauer Kircherl ein. Es ist ein Neubau, der mit seinem hölzernen Turm aber so vertraut wirkt, als wäre er schon seit den Tagen Camillo Kronichs Teil der Hotelanlage. Als sichtbarer Raum für Spiritualität wird es bei allen katholischen Festen – Verlobung, Heirat oder Taufe – mit Leben erfüllt, aber auch bei Ehejubiläen wie der Goldenen Hochzeit. »Allen Konfessionen soll dieser Raum offenstehen«, so die Maxime. Denkbar sind aber auch moderne Trauungen,bei denen statt einem Priester beispielsweise Sinn-Geber Mettnitzer die Feier leitet. Geweiht wird das Kirchlein übrigens der Heiligen Hildegard von Bingen, für Hotelière Helena Ramsbacher schlicht »die coolste Frau des Mittelalters«. Ihr wird am »Knappenhof« auch ein Kirtag ausgerichtet, der am 17. September ganz im Kärntner Stil begangen wird – »natürlich mit der Kirchtagssuppe«, wie Ramsbacher verspricht. Und während das moderne Altarbild von Virginie Bailly das Ergebnis eines KunstEinfach gut. Das Küchenteam des »Knappenhofs« zaubert wahrlich Köstliches aus regionalen und saisonalen Zutaten – und verwöhnt Auge und Gaumen der Genießer. er nicht dort getroffen. Die erste Patientin einer Freud’schen »Gesprächskur« ist ohnehin untrennbar mit »Knappenhof«-Gründer Kronich, genauer: seiner Schwester Aurelia, verbunden. Sie vertraute dem Wiener Arzt ihre Sorgen am »Otto-Schutzhaus« an – als »Fall K.« schrieben diese Medizingeschichte. Historisch bedeutsam wurde aber auch das Otto-Haus selbst: Es war der Beginn der touristischen Entdeckung der Rax als Naherholungsgebiet, zusammen mit dem Semmering und dem Schneeberg bildete sie einen Fixpunkt der für die Sommerfrisch dreams / KNAPPENHOF 62 > DAS INNENLEBEN DER HISTORISCHEN HOTELMAUERN ATMET FRÖHLICHKEIT: POPPIG, BUNT UND VERLOCKEND. Fotos: Christian Husar
RkJQdWJsaXNoZXIy MjYzODc=