Dreams 2024

127 HAUTE-COUTURE-DESIGN Nehmen wir das »Schloss Seefels«, das allein aufgrund der perfekten Lage direkt am Wörthersee punktet. Aber auch die Ausstattung liest sich wie ein Who’s who der Interiorszene: In den 67 lichtdurchfluteten Zimmern und Suiten stehen Sofas von Bielefelder Werkstätten, Wittmann, hochwertige Betten von Tréca, kunstvolle Lampen aus Murano-Glas. Es wurden Stoffe und Tapeten von Christian Lacroix, Casamance, Pierre Frey und Manuel Canovas verwendet. Serviert wird auf einem besonderen Porzellan aus der Manufaktur Augarten, das speziell für das »Schloss Seefels« entworfen wurde. Um es in der Sprache der Mode auszudrücken: Wo viele Hotels bloß ready-to-wear sind, setzt man hier auf Haute Couture. Alles ist maßgeschneidert, nichts von der Stange. Auch im »Tyrol« fängt der Tag mit eleganter Tischkultur an: Das Goldbesteck ist von Pinti 1929, die mundgeblasenen Gläser von Lobmeyr. Und natürlich werden Stoffservietten gereicht. POP-ART-HIGHLIGHTS Die Kunst an den Wänden profitiert von den starken farblichen Akzenten durch die Möbel. Sie tritt in einen Dialog mit dem Ort, muss sich beweisen in ihrer Intensität. Die Werke der Kärntner Pop-Art-Künstlerin Kiki Kogelnik passen da perfekt. Eine große Schau hat im Vorjahr im Wiener Kunstforum die Formenvielfalt und innovative Kraft dieser 1997 verstorbenen Künstlerin einer jungen Generation zugänglich gemacht. Die Ausstellung war ein Hit, die Kritiken euphorisch: »Poppig, kritisch, knallig«, schwärmte der »Standard«. Ramsbacher hat ein gutes Händchen bei der Auswahl bewiesen. »Es hat mich nie interessiert, was im Trend liegt, was im Wert steigern könnte«, erzählt sie: »Ich habe vereint, was meine Seele anspricht.« Früher habe sie Kunstakademien besucht, sei bis nach Zagreb gefahren, um sich Werke von Nachwuchstalenten anzusehen. KUNST ALS LEBENSFREUDE Die Sammlung kann sich sehen lassen: Xenia Hausner, Hermann Nitsch, Gunter Damisch, Markus Prachensky und die gefeierte Maria Lassnig machen die Hotels zu bewohnbaren Museen. Aber auch Georg Baselitz mit seinem wuchtig-archaischen Pinselstrich und seinen am Kopf stehenden Porträts ist vertreten. Von dem deutschen Malerfürsten Markus Lüpertz hängt ein expressives Parsifal-Gemälde in der Hotellobby im »Schloss Seefels«. Die Kunstwerke im Schloss wurden beispielweise aus 6.000 Werken der Haselsteiner-Familiensammlung von Helena Ramsbacher persönlich ausgewählt. Gibt es eine kuratorische Linie, welche Kunstwerke in den Hotels präsentiert werden? »Die Bilder sollen Lebensfreude ausstrahlen«, sagt sie. Alles müsse harmonisch abgestimmt sein, das erfordere viele Zeit und Leidenschaft. Allein um alle Artefakte für das »Schloss Seefels« auszuwählen, habe sie sechs Monate gebraucht. Besonders freut sie, wenn ihre Gäste – viele davon kommen regelmäßig – mit ihr ins Gespräch kommen über Kunst und Design. Und inspiriert wieder abreisen. MUT ZUM MUSTER Leuchtende Farben, knallige Muster und Mut zum Eklektizismus boomen – insofern war Ramsbacher mit ihrer kreativen HandDAMIT SICH DIE GÄSTE INSPIRIEREN LASSEN KÖNNEN, IST ALLES HARMONISCH ABGESTIMMT. DAS ERFORDERT VIEL ZEIT UND LEIDENSCHAFT. Pop-Art. Hochkarätige Kunstwerke, der bedeutenden österreichischen Künstlerin mit Kärntner Wurzeln, Kiki Kogelnik, ergänzen das Interieur und wurden aus rund 6000 Werken der Sammlung Haselsteiner kuratiert. schrift, die sich in keine Schublade stecken lässt, ihrer Zeit voraus. Der Interiortrend »Dopamine Decor« spricht auf TikTok gerade Millionen Follower an, die den neuen Maximalismus feiern und genug von langweiligen, funktionalen Einrichtungen haben. »Gerade in Phasen der Krise brauchen wir ein Gegengewicht«, analysiert die Trendforscherin Oona Horx Strathern. Dafür gibt es sogar wissenschaftliche Grundlagen. »Aus neurologischer Sicht ermöglicht uns Playfulness, neue Perspektiven zu gewinnen, mehr Kreativität und neue Denkweisen zu entwickeln. Sie holt uns aus unserer Routine, überrascht uns und erschüttert unsere Erwartungen«, so >

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